Altes Licht

Beim ersten Blick auf den Monitor stellt sich zudem die Frage nach der Machart der Aufnahmen, speziell nach dem Anteil an digital erzeugten Film- und Bildelementen, da die gezeigte Figur sich in synthetisch befremdlicher Umgebung mit merkwürdigen artifiziellen Objekten zu beschäftigen scheint. Die einzige Bearbeitung besteht jedoch in der "Inversion" der Farbaufnahme. Das Videobild erscheint also als Farbnegativ. Der Eindruck von Naivität entsteht dadurch, dass die Figur immer wieder den Blickkontakt zur Kamera und damit zum Betrachter sucht. Sie scheint geradezu darauf erpicht, uns ihre Welt und ihre Tätigkeiten zu demonstrieren, wobei sie uns durchaus gefallen und positiv beeindrucken will. Andererseits laufen die Bewegungen der Figur wie programmiert ab, und ihre reduzierte Emotionalität erinnert an den insektenhaften Habitus der Nosferatu Figur des Darstellers Max Schreck in der ersten Stummfilmfassung von Fritz Lang. Vollkommen künstlich inszeniert, konstruiert und erfunden sind auch die Räume und Hintergründe, die allen Handlungen der Figur unterlegt sind. Daher liegt der Schluss nahe, dass es hier ganz grundsätzlich ums "Kunstmachen" geht, wobei die "Etage" einen konzeptuellen Positionswechsel vornimmt, um überhaupt in die Lage zu kommen, das Grundsätzliche so differenziert zu sehen und in ganz neue Zusammenhänge zu bringen.
Zunächst jedoch noch ein Blick auf die Tätigkeiten und Objekte, mit denen sich die Figur beschäftigt: Er/Sie hantiert mit einem Buch, das jedoch keine Schriftzeichen und Bilder, sondern nur ganzfarbige Seiten zeigt.

>>